Hier sei's gesagt

Hallo, junge Fünfzigerin,
bei dir ist noch so vieles drin!
So stehst du heut vor dem Kerzengelicht
und ähnelst doch fünfzig Kerzen noch nicht.

Ich war kein Wunschkind, das weiß ich schon,
und wuchs doch geschwind und ward dein Sohn.
Und als wir dann endlich zwei Brüder warn,
so weit auseinander mit beinah fünf Jahrn,
da war ich der Große, der Kleine war er
und holt er mich ein, alles bleibt wie bisher.

Der Große lernt gut, der wird mal gescheit!
Dein Beruf, der ruht, du schenkst mir deine Zeit.
Und als nun der Kleine die Schule durchmacht,
gehst du längst auf Arbeit und stiehlst dir die Nacht
und siehst dir mit Sorge die Zeugnisse an
von dem, der wohl nur Scheißbrie-Fahrer werden kann.

Hast uns gelehrt, was die Wahrheit wiegt
und hast uns erklärt, wie das Gute siegt
und daß das Geld nicht das Wichtigste ist
und daß man nicht deinen Geburtstag vergißt.
Hast uns gezeigt auch das Schlechte der Welt
und wie man sich in solcher Lage verhält.

Wo Dresche nicht half, half ein gutes Wort.
Du lerntest an uns, doch bald warn wir fort,
fort von zu Haus, doch im Grunde noch Kind,
und wurden durch dich, was wir heute sind.
Du gibst uns stets mehr als wir brauchen zum Glück.
Hier sei's gesagt: Wir geben es zurück!

©Jürgen Langhans. Königs Wusterhausen, 5. Oktober 1983