Wanddurchbruch

Vor mir öffnet sich plötzlich ein langer Gang.
Mitten im Gang ist eine Tür aus Glas.
Hier sind wir,
und dort sind die anderen.

Wir sind voneinander getrennt.
Wir sind voneinander funktional getrennt.

Fasziniert
sehe ich zum ersten Mal durch das Glas
in eine andere Welt.
Ich vermute dort all das, wonach ich mich hier sehne.

Hier arbeiten wir,
und dort arbeiten die anderen.

Aufgeregt schaue ich in ein neues Gesicht
voller Anmut, Wärme, Sicherheit, Ruhe, Toleranz, Neugier, ...

Die Tür ist verschlossen,
denn
wir müssen funktional getrennt voneinander arbeiten,
hier wir, dort die anderen.
Sagt man.

Aber immerhin
nach so langer Zeit
wenigstens durchsichtiges Glas.

Ich nehme mir vor:
Am anderen Tag warte ich vor der Glastür wieder auf das Mädchen.
Ich will den Mut haben, ihr Lächeln zu erwidern.

Am anderen Tag
ist die Tür verschwunden.
Uns trennt jetzt wieder
eine Wand.

©Jürgen Langhans. Karlsruhe, 14. Juni 1994