Herbstschlaflied

Komm her zu mir, komm zu mir ins Zimmer.
ich kann noch nicht schlafen, der Wind heult noch immer.
Sieh doch mal, es zieht hier durch alle Ritzen,
und außerdem tut es ganz furchtbar donnern und blitzen.

Also, hör zu, ich will Dir erzählen,
doch mußt Du vorher die Jahreszeit wählen:
Meistens bekommt man Schnupfen und Husten,
der Wind ist so stark, er kann Dich umpusten.

Das ist nicht der Frühling und auch nicht der Winter,
und auch der Sommer ist schöner für die Kinder.
Da gibt’s nämlich keine so schlimmen Gespenster,
schau mal nach draußen, da hockt eins vor dem Fenster.

Draußen ist’s dunkel, der Herbst will sich zeigen,
er nimmt den Bäumen das Blatt von den Zweigen.
Er kommt in die Häuser und macht müde Kinder,
doch wenn du morgen aufwachst, ist es Winter.

Warum ist’s schon finster, es ist doch erst sieben,
und wo sind die Vögel und Eichhörnchen geblieben?
Die falln doch herunter bei diesem Wind.
Haben die keine Angst, wenn die da draußen sind?...

Die Eichhörnchen schlafen in ihrem Bau,
die haben keine Angst, das weiß ich genau.
Die Vögel, die kuscheln in ihrem Nest.
Für sie ist der Herbst nur ein ganz lautes Fest.

So, nun schlaf ein, der Tag geht zu Ende.
Ich schlaf heut bei Dir und halte Deine Hände.

Im Wald sind die Eulen, es heuln die Gespenster,
das Kätzchen liegt ängstlich und mauzend am Fenster.
Warum singt der Herbst nur so schreckliche Lieder,
mir fehlt der Mut, der Frühling erst bringt ihn mir wieder.

©Jürgen Langhans. Karlsruhe, 1999
Als Gast: Ilka Vogel, Gesang


MP3 reduziert