Das schlafende Orchester

Die Geige schläft im Geigenkasten
und ist ganz entspannt.
doch ich schlaf in meinem Bettchen,
bin müd und ausgebrannt.

Die Flöte schläft im Futeral,
macht ihre Löchlein zu.
Doch ich schlaf in meinem Bettchen
und träum in sanfter Ruh.

Die Tuba schläft in ihrer Tasche,
und die Luft ist raus.
Doch ich schlaf in meinem Bettchen
bei mir zu Haus.

Die Pauke schläft in einer Hülle,
die schmiegt sich sanft drumrum.
Doch ich schlaf in meinem Bettchen
und finde Hüllen dumm.

Das Akkordeon schläft im Kasten und gibt
keinen Ton von sich.
Doch ich schlaf in meinem Bettchen
bis morgen, sicherlich.

Das Klavier, das schläft im Stehen
auf der Bühne ein.
Doch ich schlaf in meinem Bettchen
im liegen, oh, wie fein.

Der Dirigent schläft am Stehpult,
und fällt bestimmt gleich um.
Doch ich schlaf in meinem Bettchen,
die Decke um mich rum.

Der Sänger schläft am Mikrofon,
man kann sein Schnarchen hörn.
Doch ich schlaf in meinem Bettchen
und laß mich gar nicht störn.

Die Note schläft im Notenheft
mit ihrem dicken Bauch.
Doch ich schlaf in meinem Bettchen,
mein Bäuchlein, das schläft auch.

Die Orgel muß vorm Schlafen
ihre Orgelpfeifen zähln,
denn wenn sie morgen mitspielt,
darf keine Pfeife fehln.

Bald schläft das ganze Orchester
im Konzertsaal Nummer neun.
Doch ich schlaf in meinem Bettchen
im Kinderzimmer ein.

Und kommt ein neuer Morgen,
dann steht die Pauke auf
und weckt mit einem lauten („Bumm“)
das Orchester wieder auf.

Bald spieln sie durcheinander
und suchen ihren Ton.
Und ich, ich geh mich waschen,
hör sie im Radio schon ...

(jedes Instrument spielt seine Stimme, der Sänger schnarcht noch)

Lala lala hmmm hmmm, hei, hei, bommm.
Lala lala hmmm hmmm, hei, hei, bommm.

Kind: „He, Sänger, du mußt auch aufwachen!, Aufwachen!“

Sänger: „Oh, Geliebte, zürrrne mir nicht, die Häscher werrrden mich ergrrreifen!“

©Jürgen Langhans. Karlsruhe, 27. Dezember 1998
mitgemacht hat auch Claudia Kramer


MP3 reduziert