Der Schnee macht die Erde leise (1)

Eltern schimpfen, Türen plauzen,
Hunde bellen, Katzen mautzen.
Dielen knarren, Schweine quieken,
Käfer brummen, Mäuse piepen.

Kinder zanken, wenn sie spielen,
Klötzer fliegen auf die Dielen,
und der Nachbar ist empört,
weil kein Kind hierher gehört.

Wecker klingeln, Nachbarn streiten,
Maschinen lärmen schon beizeiten,
Chöre singen, Leute niesen
Sägen kreischen, Jäger schießen

Der Max plantscht in der großen Pfütze
und kriegt eins auf die Mütze.
Die Tina schmiert Lehm ins Gesicht.
Die Mutti schreit: „Das darfst Du nicht!“

Teller scheppern, Lehrer quasseln,
Discos dröhnen, Ketten rasseln.
Schlangen zischen, Autos hupen,
Radios plärren in den Stuben.

Babies sabbern, machen Bäuerchen,
der Frost knackt ... in den Gemäuerchen,
Rüpel rülpsen, Gläser klingen,
Buben pupsen, die Vögel singen...

Wenn ein Bär ganz plötzlich aus
seinem Winterschlaf aufwacht,
dann hat ein Bäumefäll-Kommando
zuviel Lärm gemacht.
Oder war’s ein schnelles Auto
auf der 8-Spur-Autobahn,
oder war es gar die neue
Super-Schwebe-Bergbahn?

Wenn ein Kind ganz plötzlich aus
seinen Träumen aufschreckt,
dann hat es eine Tür,
die zuschlägt, aufgeweckt,
oder Eltern, die sich streiten,
über ganz banales Zeug,
oder es fiel ein Glas zu Boden
aus Unachtsamkeit.

Aber der Schnee macht die Erde leise,
schmiegt sich sanft an jeden Laut,
macht sie still auf seine Weise
und mich traurig, wenn er taut.

Wenn ein Blitz ganz plötzlich aus
der großen Wolke zuckt,
dann bist Du’s, mein Kind,
was ängstlich aus dem Fenster guckt.
Und wenn dann der laute Donner
in Dein Bettchen fällt,
dann hat sich ganz einfach nur
der Herbst zu Dir gesellt.

Wenn der böse Drache plötzlich
im Kinderzimmer auftaucht
mit mindestens 9 Köpfen,
wenn er raucht, spuckt und faucht,
dann war’s vielleicht ein Märchen
aus Tausend und einer Nacht,
oder hast Du irgendwann heimlich
den „Krieg der Sterne“ angemacht?

Aber der Schnee ...

©Jürgen Langhans. Karlsruhe, 3. Januar 1998


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