Auf den kommenden Tag

TU Dresden
Wieder ist Sonntag, und ich sitze daheim,
und meine Koffer sind voll:
Hab's nun geschafft, und ich weiß nicht,
ob ich lachen oder weinen soll.

Vorbei ist nun die Studienzeit,
es gehen Träume dahin.
Und ich begreif, den Schein in der Hand,
daß ich nun erwachsen bin.

He, stoßt an und trinkt auf mein Wohl,
auf den kommenden Tag,
daß das, was mal war, der Teufel hol,
auf das, was da kommen mag.

Es gehen die Freunde irgendwohin,
viele sieht man nie mehr.
Vorbei sind die Feten bis nach Mitternacht,
und die Gläser sind leer.

Vorbei ist das Schlafen bis mittags um elf,
der Einkaufsbummel am Tag:
Morgen um sieben, pünktlich beginnt
mein erster Arbeitstag.

He, stoßt an ...

Werd mich oft sehnen nach meiner Bude,
die für drei viel zu klein,
doch war sie für vier Jahr mein Zuhaus,
da zieht nun ein anderer ein.

Werde oft denken an diese Zeit,
an diese alte Stadt,
die mir so vieles, was ich brauch,
gegeben und genommen hat.

He, stoßt an ...

Die totkranken Schienen der Straßenbahn,
der schlechte Asphalt,
der Lärm vor dem Fenster, der Großstadtverkehr
werden mir fehlen bald.

Barkhausen Und vor dem Bild mit Herrn Barkhausen
bleibt ich ehrfurchtsvoll stehn:
War doch auch ein kleines bißchen wie er,
woll't es mir nur nicht gestehn.

Vorbei ist das Streben mit Fleiß und mit Mühn,
der Beste war ich nicht.
Und gibt mir der Professor zum Abschied die Hand,
sing ich ihm ins Gesicht:

He, ich trinke auf Ihr Wohl, auf den kommenden Tag,
auf, daß mich flugs der Teufel hol, wenn ich morgen versag.

©Jürgen Langhans. Strausberg, 21. Januar 1981


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